26.01.2021 - Hertha BSC

Ultras von Hertha BSC fordern einen kompletten Neustart


Die aktiven Gruppen der Ostkurve Hertha BSC haben zur aktuellen Situation bei ihrem Verein Stellung genommen und die am Sonntag erfolgte Trennung von Michael Preetz, der Geschäftsführer Sport bei Hertha war, begrüßt. Die Ultras von Hertha BSC fordern einen kompletten Neustart im Verein.

In der gemeinsamen Stellungnahme von Harlekins Berlin, Hauptstadtmafia, Crew 2008, Gruppa Süd, Mighty Mob, Young & Free und Ragazzi della Curva wird erklärt, dass man sich zuletzt nicht öffentlich zum Thema Preetz geäußert habe, weil es heute eigentlich ein Gespräch zwischen Fans und dem Geschäftsführer geben sollte. Dort wollten die aktiven Hertha-Fan eigentlich mitteilen, dass man nicht mehr hinter Preetz stehe. Hertha BSC trennte sich aber am Sonntag von Trainer Bruno Labbadia und Geschäftsführer Michael Preetz.

Das Treffen zwischen verantwortlichen Personen von Hertha BSC und Vertretern der aktiven Fanszene soll auch ohne Preetz stattgefunden haben. Die aktiven Ultra- und Fangruppen von Hertha BSC machten im Nachgang des Gesprächs öffentlich, dass man einen sportlichen und kulturellen Wandel bei Hertha BSC erwarte. Außerdem müsse eine Analyse der Fehlentwicklungen seit dem Einstieg von Investor Lars Windhorst erfolgen. Es dürfe kein Ausverkauf der Werte von Hertha BSC mehr geben. Zudem sollen die Vereinsverantwortlichen die Interessen der Mitglieder und Fans vertreten, auch gegenüber dem Investor.

„Die jetzt erfolgte Zäsur muss für einen kompletten Neustart genutzt werden“, so die unmissverständlichen Worte aus der Fanszene. Auch die Spieler werden von den Hertha-Fans in die Pflicht genommen. Von den Kickern wird Einsatz, Wille, Kampf, Leidenschaft und Charakter eingefordert. Mit der Rückkehr von Pál Dárdai an die Seitenlinie von Hertha BSC und mit „Zecke“ Neuendorf in seinem Assistenzteam verknüpfen die Hertha-Fans neue Hoffnung. „Pál & Zecke – Wenn nicht ihr, wer sonst!?“, begrüßen die Harlekins Berlin auf einem Spruchband das Trainerteam. (Faszination Fankurve, 26.01.2021)

Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahme der aktiven Gruppen der Ostkurve zur aktuellen Situation bei Hertha BSC:

Die aktiven Gruppen der Ostkurve Hertha BSC begrüßen die Trennung unseres Vereins von Michael Preetz. In den fast zwölf Jahren als Geschäftsführer Sport gab es wiederholt erhebliche Kritik von Seiten der Fanszene an ihm, sei es, wegen öffentlicher Verfehlungen oder wegen nicht zu erkennender Konzepte im sportlichen Bereich. Eine Zusammenfassung seiner Amtszeit ist an dieser Stelle aus unserer Sicht unnötig, zu bekannt sind die fragwürdigen Entscheidungen, die sich in den letzten anderthalb Jahren noch einmal zugespitzt haben. Wir erkennen seine Leistungen als Spieler ausdrücklich an, eine sportlich erfolgreiche Zukunft war mit ihm jedoch nicht möglich.

Wir haben uns in den vergangenen Wochen mit öffentlicher Kritik an seiner Person zurückgehalten, da wir zunächst das persönliche Gespräch mit ihm, sowie der gesamten Geschäftsführung, suchen wollten, um dieser mitzuteilen, dass wir endgültig nicht mehr hinter Michael Preetz als Geschäftsführer Sport stehen. Dieser Umgang gehört sich aus unserer Sicht, wenn es sich um einen verdienten Spieler und Rekordtorschützen unseres Vereins handelt. Dieses Gespräch hätte in dieser Form am heutigen Montag stattgefunden, es fand auch statt, nur bereits ohne Michael Preetz. Wir haben gegenüber der Geschäftsführung nunmehr deutlich gemacht, dass es mit dessen Entlassung nicht getan ist. Vielmehr erwarten wir von allen handelnden Personen im Verein, dass nun ein sportlicher, sowie kultureller Umbruch stattfindet.

Wir erwarten eine schonungslose Analyse der massiven Fehlentwicklungen insbesondere seit dem Einstieg von Lars Windhorst und zukünftig eine vollständige Hintergrundtätigkeit dieser Person und seiner Lakaien. Niemals wieder dürfen sich die Peinlichkeiten wiederholen, die im Kontext mit Windhorst, Klinsmann und Lehmann bereits Schande über den Namen von Hertha BSC gebracht haben. Wohl wissend, dass jeder Investor früher oder später versuchen wird direkt oder indirekt Einfluss, auch auf sportliche Entscheidungen, zu nehmen, erwarten wir von den Verantwortlichen des Vereins, sich dem in den Weg zu stellen und die Interessen von uns Mitgliedern und Fans zu vertreten. Ihr seid verantwortlich für den Einstieg von Lars Windhorst und den Ausverkauf unserer Werte, sowie die anschließende Überheblichkeit – beginnt endlich, im Interesse von Hertha BSC zu handeln. Wer das nicht kann, kann keine Zukunft in diesem Verein haben. Dies gilt es auch bei zukünftigen personellen Entscheidungen zu beachten.

Die Entwicklung, die unser Verein sowohl auf dem Platz, als auch abseits des Platzes, in den vergangenen anderthalb Jahren genommen hat, ist der fast 129-jährigen Geschichte von Hertha BSC nicht würdig. Die jetzt erfolgte Zäsur muss für einen kompletten Neustart genutzt werden.

Es kann und darf keine Eitelkeiten, keine Starallüren, keine Vetternwirtschaft und kein personelles Gemauschel mehr geben. Jede Person hat auf seiner Position 100% zu geben, damit wir wieder in sichere Gewässer kommen und dem Ansehen von Hertha BSC nicht noch mehr Schaden zugefügt wird. Das fängt an der Spitze des Vereins an und zieht sich bis runter in die Mannschaft. Selbstverständlich liegt es zuerst an der sportlichen Leitung aus den zur Verfügung stehenden Spielern eine Mannschaft zu formen. Diese Wahrheit nimmt die Spieler selbst jedoch nicht aus der Pflicht. Die Unfähigkeit mit Rückschlägen umzugehen, zusammenzuwachsen und sich bis zum Ende reinzuhängen lässt auch auf fehlende Charaktereigenschaften schließen.

Ihr Spieler habt es in der Hand, uns davon zu überzeugen, dass ihr zurecht bei unserem Verein spielt. Zeigt, dass ihr es wertschätzt, euch für unsere Farben ein Bein auszureißen. Zeigt, dass ihr Hertha BSC weiterhelfen wollt und könnt – als Einheit! So wie wir Fans euch als Einheit unterstützen würden, wenn es möglich wäre, so müsst ihr als eine ebensolche Einheit auftreten. Dass das möglich und von Erfolg gekrönt ist, zeigt uns der Derbysieg. Wir erwarten nichts Unmenschliches von euch – lediglich Einsatz, Wille, Kampf, Leidenschaft und Charakter. Solange ihr diese Tugenden auf den Platz bringt und als eine Mannschaft auftretet, könnt ihr euch der Unterstützung gewiss sein.

Hertha BSC hat in seiner Geschichte schon viele Krisen gemeistert, solange alle im Verein an einem Strang zogen und alles dem gemeinsamen Ziel untergeordnet wurde. Nun ist eure Zeit gekommen, um das Ruder herumzureißen – auf dem Platz und in den Vereinsstrukturen.

Harlekins Berlin ’98,

Hauptstadtmafia 2003,

Crew 2008,

Gruppa Süd,

Mighty Mob,

Young & Free,

Ragazzi della Curva im Januar 2021

Fanfotos Hertha BSC




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