21.09.2011 - RB Leipzig

RB Leipzig Fans stark zerstritten


Die Fans des Regionalligisten RB Leipzig, der aktuell wohl keine Lizenz für die 3. Liga bekommen würde, sind untereinander stark zerstritten, wie nun ein Artikel auf rb-fans.de verdeutlicht. Dabei geht es um einen Konflikt zwischen offiziellen und inoffiziellen Fanclubs. Im gleichen Artikel wird die eigene Heimstimmung stark kritisiert.

Faszination Fankurve dokumentiert den Artikel von www.rb-fans.de:

Fanblock-adé

Sportlich läuft es ja ganz gut bei unseren Jungs auf dem Rasen. Nach sechs Spieltagen steht die Pacult-Elf auf Platz vier der Regionalliga-Tabelle – vier Siege, ein Remis und eine Niederlage. Das ist allemal ein besserer Saisonstart als im vergangenen Jahr, auch wenn Trainerstab und Mannschaft noch viel Luft nach oben haben. Umso verrückter ist es, dass nun ausgerechnet außerhalb des Platzes Unruhe herrscht. Letzte Woche meldete LVZ-Redakteur Guido Schäfer aufgeregt, dass sich RB Leipzig den Statuten des DFB zu beugen hätte (ja, welcher Verein muss das nicht?) und nach aktuellem Stand die Lizenz für die 3. Liga nicht bekommen würde. Da wir zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal die Tabellenführung der Regionalliga Nord feiern durften und Lübeck nach allen Regeln der Kunst auseinander genommen haben, war diese Meldung natürlich der reinste Stimmungskiller in der Fanszene und auch bei den Verantwortlichen unseres Vereins dürfte beim Lesen des Artikels die Kinnlade runter- und die Galle hochgekommen sein.

Ein weiterer (Un-)Ruheherd war am Sonntag beim Spiel gegen den 1. FC Magdeburg zu bemerken. Während die Gäste-Fans fast 90 Minuten durchweg ihren Verein unterstützten, blieb es in unserem Block vergleichsweise still. Gut, in Anbetracht der stimmgewaltigen Übermacht auf der Gegenseite kann es einem schon mal die Sprache verschlagen. Hinzu kommt, dass das Spiel unserer Mannschaft am Sonntag nicht unbedingt Begeisterungsstürme entfachte. Trotzdem war es ungewöhnlich, dass, selbst als die Magdeburger mal tief Luft holten, unsere Fans lediglich mit ihren Fahnen wirbelten und rhythmisch trommelten, aber nur selten lautstark zu vernehmen waren. Was war also los, in unserem Fanblock?

Wenn man über Fans schreibt, ist das immer ein ziemlich schwieriges und gewagtes Thema. Entweder hat der Artikel im Nachhinein zur Folge, dass die Fanszene den Autor in Zukunft kategorisch meidet, weil er Internas ausgeplaudert oder Dinge falsch dargestellt hat oder er bekommt Ärger mit dem Verein, der solch eine Berichterstattung nicht lesen will – Guido Schäfer kennt dies sicherlich aus Erfahrung.

Die Anzahl der Fangruppierungen ist aufgrund des jungen Alters des Vereins noch recht übersichtlich. Wir haben auf der einen Seite die offiziellen Fanclubs (OFC) „Bulls Club“ (BC; inkl. „Red Pirates“, die Supportervereinigung des BC), „L.E. Bulls“ (LEB) und „RBL Fans Delitzsch“ und auf der anderen Seite Fangruppierungen wie die „Contrada il Toro Rosso“, „Red Aces“ (RA), „Fraktion Red Pride“ (FraRePri) und die „Rasenballisten“, wobei letztere eher eine Interessengemeinschaft darstellt. Für den Großteil der Stimmung im Fanblock sind die L.E. Bulls, Red Pirates, Red Aces und die Fraktion Red Pride verantwortlich.

Das Problem besteht nun darin, dass sich zwischen OFCs und den vereinsunabhängigen Fangruppierungen tiefe Gräben entwickelt haben. Diese Dissonanzen kommen nicht von ungefähr, sondern entwickelten sich in einem langwierigen Prozess. Die Red Aces und die FraRePri, deren Mitglieder zuvor größtenteils bei den L.E. Bulls verankert waren, traten aus dem OFC-Fanclub aus, weil sie z.B. keine Vorteile im OFC-Status sahen und sich vom Verein zu stark eingeengt bzw. kontrolliert fühlten. Ein weiterer, nicht unerheblicher Grund für die Spaltung dürften unterschiedliche Ansichten im Supporter-Wesen sein. Während sich die vereinsunabhängigen Fangruppierungen dem „Rasenballismus“ (u.a. gegen die „totale Verbullung“ im Verein) verschrieben haben, nehmen die OFCs von solchen Ansichten größtenteils Abstand. Von Seiten der L.E. Bulls hört man vereinzelt, dass sie sich von den ehemaligen Mitgliedern hintergangen fühlen und von den Red Aces und deren Handeln (Gesänge, Pöbeleien, Plakate) distanzieren. Die Gegenseite hält das für übertrieben und fühlt sich seinerseits nicht wirklich anerkannt und zudem vom Verein ungerecht behandelt (intensivere Kontrollen am Einlass; falsche Verdächtigung nach einem Überfall im Anschluss an ein Testspiel). Mehrere Schlichtungsversuche, um beide Parteien zueinander zu führen, verliefen in der Vergangenheit ergebnislos - Tenor: „Sinnlos, hier sind Hopfen und Malz verloren“. Und so schaukelt sich die Antipathie beider Seiten immer weiter nach oben, so dass beim Spiel gegen Magdeburg die eine Seite nicht mehr mitsingen wollte, was die andere gerade anstimmte.

Diese Darstellung der Verhältnisse erhebt selbstverständlich kein Anspruch auf Vollständigkeit, dafür sind wir zu wenig in/über den Alltag der Fanclubs/Fangruppierungen integriert bzw. informiert. Dennoch zeichnet sich ein trauriges Bild ab – ein Bild von einem zerstrittenen, stimmungsarmen und aufgrund der Dissonanz frustrierten Fanblock, der die Mannschaft nicht mehr mit voller Kraft unterstützen kann. Dabei haben es die Magdeburger Fans und viele andere vorgemacht, wie man persönliche Differenzen für 90 Minuten zurückstellt und seine Mannschaft bedingungslos unterstützt.

Es ist natürlich leicht, in unserer Situation den Moralapostel zu mimen und beide Parteien aufzufordern, die Streitigkeiten zugunsten der Mannschaft einzustellen. Dennoch kann es nicht sein, dass man - auch vielleicht aufgrund von verletztem Stolz - aktuell nicht mehr miteinander redet und den gemeinsamen Support für unsere Jungs einstellt. Jedem einzelnen müsste noch die grandiose Stimmung im Pokalspiel gegen Wolfsburg Gänsehaut verleihen, wenn er daran denkt, wie alle GEMEINSAM für unseren Verein aufstanden, mitklatschten und mitbrüllten. Wir appellieren an die Fangemeinschaft, sich wieder auf die Grundtugenden des Supports zu erinnern und unserer Mannschaft bei Heimspielen die nötige Unterstützung zu geben. Sollte es keine Veränderung geben, wird die gegen Magdeburg beginnende Tristesse im Fanblock von Spiel zu Spiel größer werden. Vielleicht ist es auch an der Zeit, dass der Verein dazu Stellung bezieht und beide Seiten wieder zur Raison bringt.

Fanfotos RB Leipzig




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